kurz geschrieben

Liebe Hunde und ihr anderen geräuschempfindlichen Wesen!

Auch Silvester geht vorbei. Bitte harrt aus und erduldet für eine kleine Weile die Rücksichtslosigkeit von uns Menschen. Ab morgen sind wir wieder für euch da.

Eure Herrchen, Frauchen, Väter, Mütter, Brüder, Schwestern u.a.

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Extinction

Die Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich nimmt stetig ab, und der Beitrag des Menschen dazu ist enorm. Das neuzeitliche Äquivalent der Naturkatastrophe, die einst den Dinosauriern einen pompösen Abgang bescherte, ist der Mensch selbst, der mit aller Seelenruhe der Flora und Fauna ihr Grab schaufelt. Da hilft es wenig, wenn sich einzelne Bestände kurzfristig erholen; der Tropfen auf dem heißen Stein verdampft doch nur allzu schnell…

Änliches Schicksal ist einem allseits bekannten, jedoch anscheinend ungeliebten Satzzeichen beschert: dem Beistrich, auch Komma genannt. Allzu oft wird der Beistrich nämlich seinem natürlichen Lebensraum entrissen und ausgelöscht – oder aber in eine Gegend überführt, in der er ursprünglich nicht beheimatet war. Diese zwanghafte Suche nach einem neuen Lebensraum für den Beistrich wird indes keine Früchte zeigen – denn der Beistrich ist kein Zierobjekt, das einen Satz an willkürlich gewählten Stellen verschönert, sondern hat eine gut durchdachte, strukturierende Funktion in der deutschen Schriftsprache!!!

Hier exemplarisch nur 3 der Regeln, deren Einhaltung selbst Akademikern offensichtlich größte Schwierigkeiten bereitet:

1. Zwischen Haupt- und Nebensatz steht ein Komma.

2. Infinitivgruppen, die mit “um zu“ eingeleitet werden, verlangen ein Komma.

3. Vor “sowie“ – im Sinne von “und“, also im Rahmen einer Aufzählung – steht KEIN Komma.

Wenn Sie nur diese 3 Regeln beachten, werden Ihre Sätze plötzlich viel lesbarer werden. Natürlich ist damit die Funktion des Beistrichs im Satz nicht einmal annähernd erklärt, doch es lohnt sich, sich einmal ausgiebig damit zu beschäftigen. Ein Blick auf https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/komma sei herzlichst empfohlen.

kurz geschrieben

Der Interkonfessionalismus boomt: Seit neuestem können auch Christen und Moslems Karmapunkte sammeln.

Wie das geht? Einfach eine gute Tat vollbringen – einem Obdachlosen ein paar Cent spenden, an einer uninteressanten Online-Umfrage von Psychologie-Studenten teilnehmen, einen asiatischen Marienkäfer ins Jenseits schicken – und schon werden Karmapunkte deinem geistigen Konto gutgeschrieben.

Was das bringt? Nichts. Oder alles. Denn jede Handlung, jede gute (wie auch schlechte) Tat hat eine Auswirkung. Auf irgendwen, irgendwann, irgendwo. Insofern ist dieses Konzept mit der Chaostheorie vergleichbar; denn wenn ein Schmetterling in Chile mit den Flügeln schlägt, regnet es in Myanmar.

Alles klar?

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Geformte Schlacke

Gendern will gelernt sein. Über Kinderinnen und dergleichen sächliche Unikate habe ich mich ja bereits ausgiebig echauffiert. Nun scheint die Zeit reif, auch mal die Verweiblichung männlicher Substantive zu diskutieren.

In einem Artikel über Prokrastination (also professionelles Aufschieben) leitete sich ein vielgelesenes Blatt der österreichischen Presselandschaft mit folgenden Worten ein:

Wenn du zu den Wunderknab_innen gehörst, die mit Terminkalendern umgehen können und To-Do-Listen tatsächlich abhacken, stets 15 Minuten vor Treffpunkt schon da sind und Seminararbeiten bereits Wochen vor Abgabe dem Dozenten ins Fach legen, dann sorge dich nicht: Selbst du kannst bekehrt werden.

Wenn Sie von Natur aus zu den Knaben gehören, werden Sie womöglich den Kopf schütteln, das Gesicht verziehen oder sich schreiend aus dem Fenster stürzen. Wenn Sie sich dagegen zu den _innen zählen, werden Sie sich – nun ja, vermutlich gleich aus dem Fenster stürzen. Denn wahrlich, wir dachten, schlimmer ginge es nimmer und tiefer könnten die Abgründe des sprachlichen (und gesellschaftlichen) Niedergangs nicht mehr werden! Wir haben uns geirrt…

kurz geschrieben

Gähnende Leere in Österreichs Briefkästen – die neue, auf Gewinn orientierte Offensive der privatisierten Post macht’s möglich. Nur wer 80 Cent für einen 08/15-Brief hinblättert, darf sein Schreiben in den gelben Außendienstmitarbeiter werfen. Briefe und Karten 2. & 3. Klasse (70- bzw. 60-Cent-Marken) können nur noch in Postfilialen abgegeben werden und werden erst nach einer Gnadenfrist von 1-4 Tagen ausgeliefert. Viva la privatización!

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Wer den Schaden hat…

Deutschland ist ausgeschieden.

Das muss man erst einmal verdauen – ob man nun Fan ist oder nicht. Der amtierende Weltmeister als Gruppenletzter in der Vorrunde ausgeschieden – kaum zu fassen.

Und doch, es hat sich abgezeichnet, und das bereits vor vier Jahren. Denn auch in Brasilien konnte die deutsche Nationalmannschaft nicht überzeugen, wandelte traumwandlerisch übers Feld und wurde nur deshalb Weltmeister, weil alle anderen Mannschaften noch schwächer waren. Den Deutschen war das nicht wirklich bewusst. “Wir sind Weltmeister.“ Egal wie, wir sind die Besten.

Nun ja, schon die WM-Vorbereitung hatte gezeigt, dass es nicht so einfach werden würde, den Titel zu verteidigen. Denn im Gegensatz zu Deutschland haben die Mannschaften der anderen Länder ihren Fußball entwickelt, sich verbessert. Die peinliche Niederlage gegen Mexiko im Auftaktspiel hat das nur bestätigt…

Ist der blamable Auftritt der deutschen Nationalmannschaft bei dieser WM dem Trainer anzulasten? Mag sein. Auf jeden Fall ist er Spiegelbild des Zustands der deutschen Gesellschaft. In einem Land, wo über Wochen der Streit über die Asylpolitik zwischen den beiden Schwesterparteien CSU & CDU die Nachrichtenszene dominiert, als gäbe es nichts Wichtigeres, wo politische Reden eher einlullenden Schlafmelodien ähneln als feurigen Statements, da verwundert es nicht, wenn auch die fußballspielenden Botschafter des Landes eine einschläfernde Langeweile vermitteln. Das kann nicht gutgehen – weder politisch noch fußballerisch.

Deutschland ist zu Recht ausgeschieden. Au revoir!

kurz geschrieben

Die Zerstörungskraft der Natur ist gewaltig – selbst vor Wahrzeichen macht sie nicht halt!

Wie ein führender Grazer Stadtpolitiker beklagte, ist der Felsen, für den Graz einst berühmt war (Schlossberg, Anm. d. Red.), von Bäumen und Pflanzen derart überwuchert, dass seine kahle Schönheit nicht mehr erkennbar ist und er eher einem Bubi- denn einem Glatzkopf ähnelt… Welch Tragödie!

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Steirisch in Bildern

Schmalzbrotjankerl, das: zu enge Jacke

Stellen Sie sich ein Schmalzbrot vor, das in eine Dose gepresst wird, die etwas zu klein ist. Das Schmalzbrot beginnt zu schwitzen und ist versucht, sich auszubreiten. Nur, wohin mit der geschmälzten Pampe, wenn die Dose zu klein ist? Eben. Die Dose platzt, und der ganze Segen verteilt sich im Rucksack, auf der Anzughose, im Handschuhfach oder wohin man die Dose sonst noch gelegt haben könnte. Presst man nun einen Menschen in ein etwas zu klein geratenes Sakko, in eine eingegangene Jacke, in ein knappes Gilet, so mag das Ergebnis ähnlich aussehen: Das Jankerl platzt, die zuvor eingedämmte Leibesfülle quillt aus den einstigen Nähten und holt sich so zurück, was ihr zu Unrecht genommen. Der zur Körpermasse gehörende Mensch ärgert sich erst ob der verunglückten Kleidung, genießt jedoch hernach die neue Freiheit und Bequemlichkeit – und beschließt, fortan die nächste Kleidergröße zu wählen.