kurz notiert

Um weitere Einnahmen zu akquirieren, hebt das Kino nun auch Zuschläge auf 2D-Vorführungen ein.

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Steirisch in Bildern

Schmalzbrotjankerl, das: zu enge Jacke

Stellen Sie sich ein Schmalzbrot vor, das in eine Dose gepresst wird, die etwas zu klein ist. Das Schmalzbrot beginnt zu schwitzen und ist versucht, sich auszubreiten. Nur, wohin mit der geschmälzten Pampe, wenn die Dose zu klein ist? Eben. Die Dose platzt, und der ganze Segen verteilt sich im Rucksack, auf der Anzughose, im Handschuhfach oder wohin man die Dose sonst noch gelegt haben könnte. Presst man nun einen Menschen in ein etwas zu klein geratenes Sakko, in eine eingegangene Jacke, in ein knappes Gilet, so mag das Ergebnis ähnlich aussehen: Das Jankerl platzt, die zuvor eingedämmte Leibesfülle quillt aus den einstigen Nähten und holt sich so zurück, was ihr zu Unrecht genommen. Der zur Körpermasse gehörende Mensch ärgert sich erst ob der verunglückten Kleidung, genießt jedoch hernach die neue Freiheit und Bequemlichkeit – und beschließt, fortan die nächste Kleidergröße zu wählen.

Sugar sugar…

Mannigfalt’ge Leiderfahrung
Dem, der Zucker wählt zur Nahrung,
Ist gewiss. Denn dick und sämig
Wird das Blute, richtig cremig,

Wenn du futterst süße Speise.
Hörst du schon, wie es ganz leise
An den Aderwänden rüttelt,
Wie es dich ganz furchtbar schüttelt,

Kurz bevor vollends verklumpt es?
Und das Herz, gar wacker pumpt es
Wider die viskose Strömung;
Doch das Fließen wird zur Lähmung,

Wenn verstopfen deine Adern –
Jammern hilft nicht, auch nicht hadern
Dann bleibt wirklich nichts erspart:
Es kollabiert das Myokard…

(c) Ludmilla de Arévalo

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Wahrlich, welch Wahnsinn…

Vor kurzem riss mich eine äußerst innovative Unform der deutschen Gender-Sprache aus meinen idealistischen Vorstellungen einer Welt ohne weitere sinnlose substantivische Verunglimpfungen. Obwohl ich mich schon seit längerer Zeit nicht mehr wundere über Personen, denen Begriffe wie Gästin oder Fanin ebenso leicht von der Zunge flutschen wie unsereins Gast oder Fan – wenngleich deren Beharren auf einer weiblichen Form recht kindisch anmutet -, so war ich doch sehr ge- und betroffen, als ich die Anrede „Liebe Kinder und Kinderinnen“ zu Gesicht bekam.

Das ist absurd, nein geradezu schwachsinnig, denn das Kind ist als Begriff klarerweise neutralen Geschlechts, müsste also nicht feminisiert werden. Indem man dies – entgegen aller Logik und Vernunft – aber doch vollzieht, ergeben sich weitere Fragen, die dringend einer Antwort bedürfen: Wenn man eine weibliche Form eines neutralen Substantivs im Plural erfindet, muss man dies dann nicht konsequenterweise auch im Singular tun?

das Kind – die Kinderin
die Kinder – die Kinderinnen

So weit, so gut. Dies führt aber automatisch zu einem weiteren Gedankenspiel: Durch die Einführung einer weiblichen Form ursprünglich neutraler Substantiva steht die männliche Rasse immens benachteiligt da; warum sollte sich denn ein Mann (oder auch ein männliches Kind, gemeinhin Bub, Bersch, Knabe, Junge etc. genannt) damit zufrieden geben, sächlich betitelt zu werden? Sollte es gerechterweise nicht auch eine eigene männliche Form geben? Wie könnte die aussehen?

Wir wissen, dass z.B. in romanischen Sprachen für weibliche Begriffe und Namen oft die Endung -a verwendet wird, für entsprechende Wörter im Maskulinum die Endung -o. Da sich die Erfinder der deutschen Feministinnen-Sprache, wie’s scheint, aufs -in geeinigt haben, wollen wir für unser neues und längst überfälliges Maskulinisten-Deutsch in Anlehnung an das romanische -o, jedoch unter Berücksichtigung der alemannischen Gebräuche, eine leicht zu merkende männliche Form etablieren: das -on. Wie sähe dann die Geschichte aus?

das Kind – der Kinderon
die Kinder – die Kinderonen (bzw. Kinderonnen)*

Das sieht doch ganz hübsch aus, nicht wahr?! Und geht vor allem auch leicht von der Zunge. Kinderonnen reimt sich auf Nonnen, kann man sich gut merken.

Es waren mal drei Nonnen
Die hatten Kinderonnen

Nur im gegenderten Schriftdeutsch wird es etwas mühsam und holprig werden. Man könnte z.B. KindIOn schreiben – zusätzlich zu einem Binnen-I also auch ein Binnen-O – oder auch die nette Formel Kind/i/on.
Hübsch ist aber auf jeden Fall die Synthese aller drei Geschlechter, also Kindion. Das klingt irgendwie kuschelig, so nach einem Plüsch-Klingonen, meinen Sie nicht auch?

Aber abgesehen von diesen Feinjustierungen – so eine männliche Form ist in unseren Gender-Zeiten doch eine tolle Idee! Ich muss mich damit wohl an den Verfasser jenes Textes wenden, der mich mich mit seinem „Opfer und Opferinnen“ letztens so aus der Fassung gebracht hat. Vielleicht gefällt ihm ja mein Vorschlag…

*über die Schreibung muss dann wohl der Duden urteilen

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Purer Dilettantismus

Eine Stärke von Photographen ist einerseits das Auge fürs Detail, welches aus dem Rahmen fällt oder diesen – im doppelten Sinne – sprengt. Andererseits aber fehlt auch nie der Blick fürs große Ganze, das gestalterische Element, die gewählte Perspektive, die eigentlich alltägliche Betrachtungen und Bilder zu künstlerisch und kompositorisch hochwertigen Schaffenswerken macht, die Geheimnisse, Verstecktes, Ungesehenes aufdeckt und die Realität in Frage stellt, ihr Antworten abverlangt.

Das ist die Theorie, das Geheimnis, das nur hinter vorgehaltener Hand weitergegeben und den Eingeweihten anvertraut wird, ein Mysterium, das sich wie eine Collage wiederum aus vielen kleinen kniffligen Rätseln zusammensetzt und sich mir praktisch nie erschloss. Denn was ist Photographie, wenn nicht eine Kunst, die doch nur Künstlern vorbehalten ist, und als solchen hab ich mich nie gesehen (auch nicht als Künstlerin, falls Sie dachten, ich hätte vergessen zu gendern).

Unlängst besuchte ich eine Ausstellung dreier junger Fotografinnen (ich benutze hier die weibliche Form, denn die Frauen waren in der Überzahl), die sich mit Recht als Künstler bzw. -innen bezeichnen können. All die Qualitäten, all die unabdingbaren Fähigkeiten, die ich im ersten Absatz erwähnt, waren in einigen wenigen Photographien von immenser Brillanz komprimiert und flossen doch dermaßen über, dass ich von ihrer Kunstfertigkeit, ihrer Aussagekraft, ihrer gesellschaftlichen Brisanz mich gleichsam überwältigt fühlte.

Meine dilettantisch gepflegte Leidenschaft der Naturfotografie erschien mir plötzlich so nichtssagend, so unwürdig, so lächerlich, dass ich mir schwor, niemals mehr eine Kamera in die Hand zu nehmen. Ironisch nur, dass ich an diesem Nachmittag mit meiner Nikon ausgestattet zwischen all den makellosen Photographien stand und diese abfotografierte, nein abfotografieren musste, denn das war mein Job. Wahrhaftig, welch Ironie, denn wie konnte ein Laie wie ich auch nur ansatzweise den Anforderungen gerecht werden und halbwegs passable Abbilder der photographischen Meisterleistungen anfertigen…?

Ironie hin oder her, Arbeitsauftrag her oder hin: Was ich am meisten an der Fotografie schätze, ist die Möglichkeit, den Augenblick festzuhalten. Kunstfotografie hat mich nie wirklich interessiert, viel mehr beeindruckt mich die Kunst, die die Natur, das Leben, die Schöpfung uns in reichem Maße darbietet. Denn was mich zum Fotografen macht – Laie hin, Dilettant her -, ist das Auge fürs Motiv.  Möge dieses Auge nie erblinden…!