Baustellenhauptstadt

Nach 2003 – Graz war damals zur Kulturhauptstadt auserkoren worden – wird nun, im Jahre 2017, eine weitere Qualität des Städtchens an der Mur gewürdigt, und diese Ehrung ist, da werden Sie mir sicher zustimmen, absolut überfällig: Stellvertretend für das, was längst vergangen, und das, was den Einwohnern in Hinkunft mit Sicherheit noch schwant, erkläre ich – meines Zeichens eine der von Staub und Lärm gebeutelten Grazerinnen – die steirische Perle Graz zur Baustellenhauptstadt 2017.

Bestimmt deucht Ihnen, werter Graz-Kenner, sehr verehrte Graz-Besucherin, folgendes Szenario nicht gänzlich unbekannt: Mit zunehmender Außentemperatur mehren sich sukzessive und proportional die Stadtbild-verändernden Einzelbaustellen, die spätestens mit Erreichen der Höchsttemperaturen Anfang August, so scheint es, zu einer einzigen, riesenhaften Megabaustelle verschmolzen sind – ob derlei Aggregatzustand der sommerlichen Hitze geschuldet ist oder ob die Stadt für die immense Baustellendichte schier zu klein ist, sei Ihrer Phantasie überlassen, lieber Leser, geschätzte Leserin. Tatsache ist jedoch, dass nicht der sonnige Süden, auch nicht das allseits gefürchtete Sommerloch die Grazer-Normalfamilie aus ihrem angestammten Heime vertreiben – vielmehr versuchen diese fälschlicherweise als Urlauber bezeichneten Familien dem munteren Treiben von Bauarbeitern mit Helm, Presslufthammer und Lastwagen zu entkommen. Das ist auch kein Wunder, denn mit Fortschreiten der Bauarbeiten steigt der Lärmpegel, erhöht sich die (Feinstaub-)Konzentration in der Atemluft, und umgekehrt proportional sinkt die Lebensfreude bzw. -qualität. Und wer Graz kennt, weiß, dass erfrischender und luftreinigender Regen im Sommer eher Mangelware ist. Wenn es denn doch einmal regnet, beklagen sich Bauleute über die unnötige Verzögerung, aber wie sagte doch einer der ihrigen in einem Anfall von Ehrlichkeit: „Für Baufirmen ist das nicht so klass, aber die Natur braucht’s.“ Welch wahres Wort… Nur – bei der Masse dessen, was in Graz zugepflastert und verbaut wird, ist bald nichts mehr von Natur zu sehen.

Mit Abnahme der Temperaturen geht auch wieder die Zahl der baulicherseits eroberten Örtlichkeiten zurück, der Schienenersatzverkehr hat seine Schuldigkeit getan, allerorts kehren Frieden und Ruhe ein – nur der Staub, der bleibt. Und wenn dann nach der Winterpause dem jahreszeitlichen Wechsel folgend wieder neue Baustellen zu sprießen beginnen und Sie ernsthaft in Erwägung ziehen, sich die Kugel zu geben, dann wissen Sie zumindest, dass Graz den Titel Baustellenhauptstadt wirklich verdient hat – in jedem Jahr aufs Neue.

Morsereport #029

Morsereport

  • Google News setzt aufs pure Nichts.
  • Lebensmittelverschwendung sollte strafbar sein.
  • Ziviler Ungehorsam: Venezolaner weltweit stimmen heute gegen Maduros Machenschaften
  • „When exposing a crime is treated as committing a crime, you are being ruled by criminals.“ (Edward Snowden)
  • Wort der Woche: Traumschwänzer

Jahrestag

Besuch den Wasserblock ich heut,
Da schreit s’System: Ich gratulier‘
Zum Jahrestag! Hab mich gefreut,
Seit einem Jahr blogg ich schon hier.

Auf euch, meine sehr verehrte Community, denn würdet ihr nicht lesen, würd ich auch nicht schreiben. Denn ein Autor – und sei er auch noch so unbedeutend – braucht eine Leserschaft. Daher sag ich an dieser Stelle ein riesig großes DANKESCHÖN!!!

kurz geschrieben

Es titelte eine Grazer Wochenzeitung: „Graz sucht die besten ‚Mur-Ideen'“. Und damit bestätigt sich, was Gegner des Murkraftwerks schon von Anfang an wussten: Das Fällen der Bäume entlang der Mur war purer Aktionismus, einen Masterplan zur Gestaltung der Ufer gab es nicht; Hauptsache, das Kraftwerk kann gebaut werden. Saruman hätt’s nicht besser machen können.

kurz geschrieben

Polizei und Security haben nun das gesamte Murwegerl abgesperrt, angeblich weil die Eigentümer durch die Anwesenheit der Murcamp-Leute gestört waren. Wurde nun aber den Eigentümern – Bewohnern der Siedlung Am Langedelwehr – deren Privatbesitz zurückgegeben? Mitnichten! Polizei & Security haben alles eingezäunt und wachen mit Argusaugen darüber, dass keiner außer ihnen den kurzerhand zur BAUSTELLE erklärten Weg mehr betritt.

Wie nennt man das? Enteignung. Noch dazu ohne rechtliche Grundlage. Oder auch Torschlusspanik…

„Ein Volk sollte niemals Angst vor seiner Regierung haben. Eine Regierung sollte Angst vor dem Volk haben.“ (V wie Vendetta)

#rettetdiemur

Ihr seids bei uns daham – Rettet die Mur

Dei hohe Zeit is laung vorüber
Und a di Säg host hinter dia
Von Ast und Blatt is wenig über
Sog ma, wer ziagt no sein Huat vor dia – außa mia.

I kenn die Leit, de dich vanichten
Mit Kettensägn hundertfoch
Doch i bin do, um dich zu schützen… jederzeit.

Do kann ma mochen, wos ma wü
Do seids ihr her, do gherts ihr hin
Do rinnt die Mur neben vorbei
Wie im November, so auch im Mai.
A wemmas scho vagessn ham
Wir san nur Menschen, ihr seids Bam

So wie da Herbst di Hoa eich zupft,
Die Sun im Frühling umilupft
Wia Vägerl zwitschern auf da Kron
Wird a mei Bluat auf amol woarm
Sog i am End da Wöd vui Stolz
Und wenn ihr wullts a gaunz allan:
Ihr seids bei uns daham.

(Musik: Rainhard Fendrich. Text: Ludmilla dA)